betroffen; betroffen sein; Betroffene, der u. die: -n,-n; Betroffenheit, die; -
Das weiß der Duden, und ich weiß nicht mehr.
„Da bin ich aber echt betroffen.“ Auf die Hohlheit des Satzes haben Sprachkritiker längst hingewiesen.
Betreff: Betrifft: Das mag ein Verwaltungsangestellter verwenden. Es trifft einen höchstens, wenn es um Strafpunkte in Flensburg geht oder um sonst was sehr Unangenehmes.
Betroffenheitsliteratur? Da ziehe ich den Büromenschen vor. –
Casablanca: Ich trat spät abends aus dem Haus, eindringlich gewarnt vor den Gefahren der Straße, weil mir der Tabak ausgegangen war. Ganz nah vor dem vielfach gesicherten Tor sah ich die junge Greisin, an einer Wand kauernd, an der welken Brust das nackte neugeborene Kind, beide nur Haut und Knochen.
Ich stand da, ratlos, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Mit der freien Hand streckte sie mir die Schale entgegen, und ich griff, mit Dummheit geschlagen, nach dem Geldbeutel. Sofort war ich weggedrängt, hatte zahllose Kinderhände vor mir. Dirham, schrien sie.
Ich schlug mich durch, war plötzlich unbehelligt, fand den Tabakladen.
Ich war bestürzt, hinterher, ratlos, traurig.
Betroffen war ich nicht.
"Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho und fiel unter die Räuber. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging weiter… " Luk 10, 30-37
Der war echt betroffen.
es macht wenig sinn, lieber @odilo, echtes (oder vorgegebenes) sprachunverständnis zum gegenstand einer abhandlung zu machen. die bedeutungen, die "betreffen" und "betroffenheit" haben, lernen unsere schüler, wie der jüngste pisa-test ausweist, nicht nur in sachsen, sondern sogar in bayern und baden-württemberg.
pass auf - am einfachsten erklärst du dir's so, dass es vier gruppen menschen gibt: solche, die briefe schreiben, solche, die briefe kriegen, solche, denen es was ausmacht, was in denen drin steht, und solche, die nicht lesen können.
und schon weißt du immer, ob es jemanden betrifft, ob einer betroffen ist, ob sich einer betroffen fühlt oder ob ihm, so wie deinem priester, alles wurscht ist.
ganz einfach, oder? bis casablablanca muss man da nicht reisen.
lg
bluefin
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das "blind date" findet in der schreibwerk statt
Betroffen wäre er vielleicht gewesen, wenn er im Tabakladen festgestellt hätte, daß man ihm den Geldbeutel geklaut hat ;-)
Na, Spaß beiseite. Deine Überlegung, "betrifft" mit "betroffen sein" in etymologischen Zusammenhang zu bringen, hat mich überrascht, habe ich doch selbst noch gar nicht daran gedacht. Und es stimmt. Stell Dir einen Brief vom Amtsgericht vor mit dem obersten Vermerk: "Betrifft den Straftatbestand in Ihrer Sache XY": da würde Dich das "Betrifft" wie ein Blitzschlag betreffen - insofern völlig korrekt beobachtet.
Was den Betreff armer hungernder Kinder anbelangt, liegt die Angelegenheit wieder auf einer ganz anderen Ebene: auch hier Betroffenheit, die eher im Zusammenhang mit Bestürzung steht - denn: das Betreffen hat Verwandschaftsverhältnisse in verschiedene Richtungen.
Ich kenne auch eine Betroffenheit im ersten Verwandschaftsverhältnis zur Wut: die Hungrigen dieser Welt stehen dafür übrigens Pate.
LG Kasper
lieber @odilo, hier geht's hier um schlichte sprachkunde, nicht um theologisches (obwohl die meisten pfarrer in reinem amtsdeutsch predigen - wahrscheinlich hören ihnen deshalb immer weniger leute zu).
was dein text mit meiner person zu tun haben könnte, erschließt sich mir nicht recht. falls du den begriff "betroffenheitsliteratur" als meine wortschöpfung aufgefasst haben solltest, irrst du - es ist dies ein begriff, der uns allenthalben begegnet. die mutter aller betroffenheiten findest du Hier klicken.
lg
bluefin
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das "blind date" findet in der schreibwerk statt
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Vera-Lena Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002
Dir geht es hier um die Aushöhlung eines Wortes, denke ich. Sprache verändert sich und so verändern sich auch Wortinhalte.Manches Wort ist im Laufe von Jahrzehnten nur noch eine Hülse dessen, was es einmal bedeutet hat.
Der Mann, der in den Tabakladen gehen wollte, hat sein Erlebnis verarbeitet. Er war bestürzt, ratlos und traurig. Das glaubt man ihm.
Wäre er betroffen gewesen, also hätte er die Sache so nah an sich herangelassen, dass sie ihn im Innersten berührt hätte, dann hätte er möglicherweise sein Leben von jetzt nach gleich vollkommen verändert. Es hätte ihm keine Ruhe mehr gelassen, er hätte nach Lösungen gesucht, wie er, und sei es auf dem kleinsten Nenner, etwas unternehmen könnte, um gegen diese Not anzukämpfen.
Der Mann in dem Lukasevangelium (diese Geschichte ist mir vertraut) war natürlich betroffen und zwar von vorn herein. Da war ein Angehöriger seines Volkes, dem er zur Nächstenliebe sich durchaus verpflichtet fühlte, in Not geraten. Aber der jüdische Priester redete sich in seinem Inneren darauf heraus, dass man am Sabbat nicht arbeiten darf, und so ließ er den Bedauernswerten liegen, obgleich, die Sache ihn betraf; und Jesus, der diese Geschichte erzählt, wollte verdeutlichen, dass das Liebesgebot immer das allerhöchste Gebot ist.
Mir gefällt, wie Du diese beiden "Betroffenheitsgeschichten" zunächst in eine sprachliche Durchleuchtung verpackt hast. Aber für mein Leseempfinden steht da auch in Deinem Text, dass das Liebesgebot das höchste aller Gebote ist.
Ich habe es gerne gelesen.
Liebe Grüße
Vera-Lena
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Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.